Weihnachtsgruß
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
ein Jahr, das so ganz anders war als wir es uns vorgestellt und gewünscht haben, geht zur Neige. Als wir uns zum vergangenen Jahreswechsel ein gutes Jahr 2020 gewünscht haben, konnten wir noch nicht ahnen, was auf uns zukommt. Erst wollte niemand so recht glauben, dass dieses tückische Virus mit dem offiziellen Namen Sars-Cov-2 , bekannt geworden unter „Corona“ von China bis nach Europa und dann von Südeuropa bis zu uns, bis nach Burbach gelangt, dann wird es im März Gewissheit. Eine „epidemische Lage von nationaler Tragweite“, wie es amtsdeutsch formuliert wird, hat uns erfasst. „Lockdown“ heißt es Mitte März – Schulen, Kitas, Kirchen und Geschäfte geschlossen, Grenzen dicht. Eine fast unwirkliche, eine beängstigende Situation. Am schlimmsten trifft es die Schwächsten in der Gesellschaft, die kranken und alten Menschen, die wochenlang ohne Besuch in Krankenhäusern und Seniorenheimen ausharren müssen, die teilweise ohne Begleitung ihrer Angehörigen sterben, deren Beerdigung von Freunden und Verwandten nicht besucht werden kann. Auch bei uns in Burbach haben wir dies erleben müssen. Manche – auch hier bei uns – haben um ihren Arbeitsplatz gebangt, wurden in Kurzarbeit geschickt. Manche haben ihre Arbeit verloren oder Einkommensverluste ertragen müssen, die Existenz mancher Selbständiger stand oder steht auf der Kippe. Viele Veranstaltungen konnten nicht stattfinden, das Vereinsleben musste auf ein Minimum reduziert werden. Jede und jeder von Ihnen wird diese Zeit anders erlebt haben, wird anders betroffen gewesen sein. Unberührt war niemand, erschreckend und beängstigend war die Situation für uns alle.
Aber es gab auch Gutes in dieser Zeit. Posaunenklänge vom Balkon in den Dörfern zu Ostern, das Entdecken der Natur im kommenden Frühling, Zeit füreinander in der Familie, das Gespräch auf Entfernung über den Gartenzaun und Dankbarkeit, welche Freiheit – bei allen Einschränkungen – das Leben auf dem Land schenkt. Und es gab die vielen Engel in Gestalt von Einkaufshelferinnen und -helfern, von fröhlichen und mutmachenden Videobotschafterinnen und -botschaftern aus den Kirchengemeinden, Gemeinschaften und Vereinen, in Gestalt von eifrigen Briefeschreibern, Telefonseelsorgerinnen und -seelsorgern und aufbauenden WhatsApp-Aktivisten. Im Sommer dann ein Aufatmen. Die Infektionszahlen gehen zurück, Freibäder werden geöffnet, es darf wieder gefeiert werden, erste Urlaubsfahrten in die europäischen Nachbarländer werden wieder möglich. Das Gespenst Corona verliert langsam seinen Schrecken – in Deutschland und in Burbach scheinen wir mit einem „blauen Auge“ davongekommen zu sein.
Aber es ist nicht vorbei. Die „zweite Welle“ kündigt sich an und kommt dann auch. Wieder „Lockdown“, wenn auch abgemildert, zunehmende Gereiztheit, teilweise schwindende Akzeptanz der Einschränkungen. Weihnachten und Silvester werden wir anders feiern als sonst. Aber es gibt auch Hoffnung, weil der rettende Impfstoff in Sicht ist.
Die Weihnachtsgeschichte und ihre Botschaft können uns in diesem Jahr vielleicht noch näher sein, noch mehr packen als sonst. Wir haben in den letzten Monaten erfahren, wie fragil unsere Welt ist, wie gefährdet unsere Gesundheit, wie schnell scheinbare Gewissheiten und Sicherheiten zerbrechen können. Ist das Maria und Josef vor über 2.000 Jahren nicht auch so gegangen? Maria, plötzlich unerwartet schwanger. Josef, der das kaum begreifen und erfassen kann. Und dann muss sich das junge Paar auch noch auf den weiten Weg zu Fuß nach Bethlehem machen. Die Geburt einsam in einem Stall, weil keine Herberge zu finden ist. Und kaum ist das Kind auf der Welt, müssen Maria und Josef mit Jesus von den Schächern des Herodes verfolgt nach Ägypten fliehen. Und dennoch ist diese Weihnachtsgeschichte Ausgangpunkt unserer christlichen Hoffnung, die unser Abendland, unsere Kultur und unser Gesellschaftssystem mehr als alles andere geprägt hat. Das ist ja das Wunder der Weihnacht: Ein schwaches, armseliges Kind nimmt teil an dieser Wirklichkeit und durchbricht sie. Und das ist die Botschaft: Wer sich auf dieses Kind einlässt, empfängt eine nie geahnte Hoffnung. Wer sich von einem Sinn getragen weiß und ein Ziel sieht, vermag manches Unverständliche und Schwierige zu verkraften und den Mut nicht zu verlieren.
Ich wünsche uns allen, dass wir uns in diesen Tagen auf die Botschaft der Weihnachtsgeschichte einlassen können, dass wir auch durch diese Botschaft trotz aller Schwierigkeiten, Ängste und Herausforderungen hoffnungsfroh in das kommende Jahr schauen und gehen können, dass wir unseren Mitmenschen Aufmerksamkeit, Vertrauen und Unterstützung schenken, dass wir in unseren Familien und in unseren Dörfern Gemeinschaft, Solidarität und Nächstenliebe leben. Zunächst aber wünsche ich Ihnen und Ihren Lieben gesegnete und frohe Feiertage.
Ihr
Christoph Ewers
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