Vortrag zeigt Gründe für das Insektensterben auf
Wir alle können etwas tun
Warum gehen die absoluten Zahlen und die Artenvielfalt von Insekten in Deutschland und vielen anderen Ländern zurück? Dazu zeigte Markus Fuhrmann jetzt bei einem Vortrag der VHS in Kooperation mit der Umweltberatung der Gemeinde Burbach im Burbacher Bürgerhaus fünf Hauptgründe auf.
Ein Grund ist der andauernde Verlust an Lebensraum, jeden Tag (!) werden allein in NRW rund 13 ha Fläche für neue Gewerbe- und Siedlungsgebiete sowie Verkehrsflächen zusätzlich genutzt und stehen der Natur nicht mehr zur Verfügung. Das sind mehr als 18 Fußballfelder. Dazu kommt, dass verbleibende Restflächen immer kleiner werden und so isolierte Populationen entstehen, die alleine nicht mehr überlebensfähig sind.
Ein weiterer Grund ist die zunehmende „Lichtverschmutzung“. Dank günstiger Solar- und LED-Technik werden heute Gewerbeflächen aber auch Privathäuser – zusätzlich zu der öffentlichen Straßenbeleuchtung - immer öfter nachts angestrahlt. Die Nacht wird „taghell“. Normalerweise ist es das Mondlicht, das Nachtfalter anzieht, weil ihnen der Mond Orientierung bietet. Kunstlicht umkreisen die Falter dann buchstäblich bis zur Erschöpfung - bis zum Tod. Eine einzige Straßenlaterne kann auf diese Weise beispielsweise die gesamte Köcherfliegen-Population eines 200 Meter breiten Gewässerstreifens töten.
Auch der Klimawandel macht den Insekten zu schaffen, denn mit dem Klima ändern sich langsam aber sicher auch die Vegetation und die Rahmenbedingungen in ihren Lebensräumen. Dieser Prozess geht aber für viele Insekten zu schnell, um sich rechtzeitig anzupassen.
Unsere Landwirte in der Gemeinde Burbach arbeiten meist ökologisch orientiert und pflegen viele für Insekten wertvolle Flächen unter Naturschutzgesichtspunkten. In anderen Regionen trägt jedoch eine intensive industrielle Landwirtschaft zum Insektensterben bei. Die beiden Hauptgründe dabei sind der Einsatz von Pestiziden, insbesondere von Neonikotinoiden, die für Bienen z.B. wie Nervengifte wirken, und eine Überdüngung der Böden. Gülle aus Massentierhaltung und Kunstdünger, aber auch Stickstoff aus der Luft (u.a. auch durch Straßenverkehr und Industrieabgase) sorgen für ein Zuviel an Nährstoffen in Boden und Grundwasser, worunter vor allem nährstoffarme, artenreiche Lebensräume leiden, die Artenvielfalt geht zurück.
Eine Abnahme der Insektenzahlen ist deshalb besonders problematisch, weil Insekten vielen anderen Arten als Nahrung dienen, wie z.B. Amphibien, Vögeln und Fledermäusen. Ein Rückgang der Insekten gefährdet daher auch viele andere Arten. Außerdem ist die Bestäubung durch Insekten für viele (Nutz-)Pflanzen unverzichtbar. Gute Gründe, um etwas dagegen zu tun.
Was kann ich jetzt als Privatperson tun, um den Insekten zu helfen?
Eine insektenfreundliche Gartengestaltung mit vielen blühenden Pflanzen vom Frühjahr bis zum Herbst, einem Insektenhotel, aber auch einer „wilden Ecke“ mit nacktem Erdreich z.B. für Erdhummeln, Altholz und Brennnesseln, ist in jedem Fall eine gute Idee. Auf nicht notwendige Dauerbeleuchtung von Haus & Garten sollte man verzichten. Honig vom Imker vor Ort, Bio-Lebensmittel und weniger Fleisch im Einkaufswagen helfen letztlich auch den Insekten. Und alle Maßnahmen für den Klimaschutz kommen ebenfalls den Insekten zugute. Zusätzlich sollten wir neugierig bleiben und einfach auch mal, vielleicht mit der ganzen Familie, Insekten beobachten und uns über die vielfältigen Arten informieren. Denn inzwischen geht immer mehr Wissen über Tier- und Pflanzenarten verloren, gerade bei Kindern und Jugendlichen.
Ein herzlicher Dank geht an Markus Fuhrmann für seinen engagierten Vortrag. Mehr Informationen zum Thema sind bei der Umweltberaterin der Gemeinde Burbach, Elisabeth Fley (Tel. 02736/45-82, E-Mail e.fley@burbach-siegerland.de) erhältlich.
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