Projekt "Burbachs artenreiche Nachbarschaft" beendet
Biologische Station Siegen-Wittgenstein zieht positives Fazit
Burbach. Mit einer kleinen Abschlussfeier in der Alten Vogtei endete jetzt das Projekt „Burbachs artenreiche Nachbarschaft“ der Biologischen Station Siegen-Wittgenstein. Nach der Laufzeit von drei Jahren zog die Projektverantwortliche, Julia Diehle, auf dem Ollern ein insgesamt positives Resümee. Viele Ziele seien erreicht worden, vor allem die Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen habe sich in Burbach etabliert. Auch die Eigentümer privater Gärten, die für das Thema Artenschutz sensibilisiert werden sollten, seien auf vielerlei Wegen erreicht worden. Lediglich mit den Unternehmen sei man nicht so intensiv in den Dialog getreten wie gewünscht. Ein möglicher Grund: Artenschutz sei für Firmen ein komplexes Thema, da müsse schon ein hohes Maß Bereitschaft vorhanden sein. Um hier gemeinsam mit den Unternehmen daran zu arbeiten, lohne sich ein eigenes Projekt, so Julia Diehle. Darüber hinaus fiel der Projektzeitraum in die Corona-Pandemie und den anschließend anhaltenden Krisen-Marathon – in dieser unsicheren und schwierigen Situation hatten Arten- und Naturschutz offenbar keine Priorität.
Es war aber nur ein kleiner Schluck Wasser im süßen Wein der Rückschau. Bürgermeister Christoph Ewers, gerade zurückgekehrt von der Grünen Woche in Berlin, freute sich, dass das Projekt – anders als die zum Teil energisch geführten Diskussionen auf europäischer oder Bundesebene – das Wesentliche im Fokus behalten habe: die Natur vor Ort sowie praktische und zielführende Ansätze „Was hilft es, wenn das Thema nicht bei den Menschen im Herzen und im Kopf ankommt? Natur- und Artenschutz gelingt nur durch emotionale Bindung zur Natur vor Ort.“ Viel Wissen und die persönliche Beziehung zur heimischen Natur sei in den vergangenen Jahrzehnten abhandengekommen – nicht nur in den Städten. Baumarten erkennen, Pflanzen bestimmen, Kenntnisse über die heimische Tierwelt: „All das ist im ländlichen Raum nicht mehr selbstverständlich“, stellte der Bürgermeister fest. Prof. Dr. Klaudia Witte, Vorsitzende des Trägervereins der Biologischen Station (Verein zur Förderung der Zusammenarbeit und Landwirtschaft im Kreis Siegen-Wittgenstein e.V.), lobte daher, dass es in den vergangenen drei Jahren in Burbach gelungen sei, die Bedeutung des Arten- und Naturschutzes im Siedlungsraum zu thematisieren: „Das Ziel, den Blick auf die Artenvielfalt vor der eigenen Haustür zu schärfen, wurde mehr als erfüllt!“
Die geladenen Gäste verfolgten interessiert zunächst den Vortrag von Prof. Dr. Jasmin Mantilla-Contreras, der wissenschaftlichen Leiterin der Biologischen Station, über die allgemeine Arbeit der seit 35 Jahren bestehenden Einrichtung, ehe Julia Diehle drei Jahre „Burbachs artenreiche Nachbarschaft“ Revue passieren ließ. Der Auftakt wurde durch Corona gehemmt, die erste Veranstaltung lief digital ab. Zudem war das erste Halbjahr geprägt von der Markenentwicklung (Name und Logo) und vom Netzwerken. Später gab es erste Treffen mit den Kitas und den Schulen; für die OGS am Grundschulstandort Wahlbach wurde eine wöchentliche Natur-AG auf den Weg gebracht. Nistkästen wurden gebaut und eigenes Vogelfutter hergestellt. Es kam sogar zu ersten Beratungsgesprächen mit Unternehmen, allein es steht noch die Umsetzung der damals besprochenen Maßnahmen aus. Mithilfe der Bevölkerung wurden Daten zur Population von Mehlschwalben und Fledermäusen erhoben (Citizen Science).
Im zweiten Jahr wurde jeweils ein Schwalbenturm in Gilsbach (unter der Patenschaft durch die Ev. Kita Gilsbach) und in Lippe aufgestellt. Beide wurden binnen Kürze von den Tieren angenommen und bezogen – und das ungewöhnlich schnell, denn mitunter stünden derartige Türme Monate oder sogar Jahre leer, bevor sich dort Tier einnisteten, beschrieb Julia Diehle den Erfolg. Darüber hinaus wurden 24 Nistkästen auf den gemeindlichen Friedhöfen aufgehängt, der Heimatverein Holzhausen stellte eine Insektennisthilfe auf. Parallel dazu wurde das Informations- und Bildungsangebot weiter ausgebaut. Das Projekt war 2022 an insgesamt 19 Veranstaltungen beteiligt. 2023 wurde ein dritter Schwalbenturm in Lützeln aufgestellt. Immer wieder wurden öffentlichkeitswirksame Aktionen gestartet, vor allem Fotowettbewerbe. Im letzten halben Jahr wurde auf der Projekt-Homepage www.burbachs-artenreiche-nachbarschaft.de, vor allem mit Blick auf die Zielgruppe Unternehmen, viele Informationen zum Thema „Lichtverschmutzung“ veröffentlicht.
Prof. Dr. Jasmin Mantilla-Contreras und Julia Diehle dankten abschließend der Geschäftsführerin von Hering-Bau Holzhausen, Annette Hering, für die Projekt-Finanzierung über die Hering-Stiftung „Natur und Mensch“. Diese wiederum gab den Dank zurück und betonte, das Projekt sei bei Julia Diehle „in den besten Händen“ gewesen. Sie habe das Projekt in Burbach etabliert und viel erreicht. „Und die Unternehmen kriegen wir auch noch!“, motivierte sie augenzwinkernd, aber mit durchaus ernster Intention zu einem möglichen Folgeprojekt.
Burbachs artenreiche Nachbarschaft in Zahlen:
- 3 Schwalbentürme
- 47 Veranstaltungen
- 24 Nistkästen auf Friedhöfen
- 2 Insektenhilfen
- 5 Mauerseglerkästen
- 3 Vorträge
- 98 Nistkastenbausätze
- 2 Radiobeiträge
- 3 Jahre Projektlaufzeit
- 8 Aktionen mit Schulklassen
- 35 AG-Tage
- 6 Aktionen mit Kitas
- 8 Wettbewerbe
- 11 Instagram-Beiträge
- 38 Beiträge auf Website
- 31 Fledermäuse
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