andersSein – ausdrucksstarke Bilder & dynamische Skulpturen
Gemeinsam: KunstSommer-Projekt im Haus Burgweg
Fröhlich, offen, gastfreundlich – diese Attribute gelten schon immer für die Bethel-Einrichtung Haus Burgweg in Burbach. Jetzt jedoch ist das moderne, frisch sanierte ehemalige Kinderzuhause noch farbenfroher und attraktiver: Der KunstSommer hat Einzug gehalten. Unter dem Titel „andersSein“ luden am Eröffnungstag viele junge Bewohner ein, ihr Zuhause aus der künstlerischen Perspektive zu betrachten, anders wahrzunehmen und neu zu erleben.
Einen Samstagnachmittag lang genossen etliche Kunstinteressierte, Gäste und Freunde des Hauses die dynamischen, lebendigen Skulpturen und wunderschönen, ausdrucksstarken Bilder, die in den vergangenen Monaten während der Ausdrucksmal-Therapie und an den „offenen Dienstagen“ gemeinsam mit Bewohnern, Ehrenamtlichen, Mitarbeitern und Familienangehörigen entstanden sind. Die Ausstellung verbindet gekonnt das neue, bislang leere Treppenhaus mit der atmosphärischen gehaltenen Cafeteria und dem herrlichen Innenhof. treppenKunst und innenWelten – unter diesen Überschriften verwandelte sich Haus Burgweg in ein sehenswertes, andersartiges Kunstatelier. Übrigens: Die Ausstellung ist noch bis zum 29. September 2015 an jedem Dienstag- und Sonntagnachmittag für Interessierte zugänglich.
Das dreiteilige Kunstprojekt andersSein nimmt mit auf einen überraschenden Rundgang durch das barrierefreie Haus, in dem 28 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit mehrfachen, teilweise sehr schweren Behinderungen leben. Malen als Therapieform – diesem Anspruch werden die wöchentlichen Ausdrucksmal-Einheiten gerecht, an denen etliche der jungen Bewohner voller Freude teilnehmen. Gewollte oder zufällige kreisende, klopfende oder kratzende Bewegungen ihrer Hände nehmen farbige Form an, bringen Gefühle zum Ausdruck, werden zu Kunst, erzählen vom gegenwärtigen Sein.
Voller Symbolik, ausdrucksstark, lebendig, begreifbar – im offenen Innenhof, aber auch in der Cafeteria und im Treppenhaus nehmen Metallskulpturen den Blick gefangen. „Verlöffelt“, „unsere Welt“, „der Kern“ – die drei außergewöhnlichen, verflochtenen Plastiken haben eins gemeinsam: Sie sind handgefertigt von zwei kreativen Bewohnern und ihren Betreuern in enger Zusammenarbeit mit dem Alzeyer Metallkünstler Joachim Harbut. Metallreste, Kreise, Drähte, Löffel, gefunden auf der Baustelle während der Umbauphase oder im Fundus des Künstlers, nahmen Gestalt an. Eigenwillig, mit Ecken und Kanten, offen und doch in sich vollendet, erzählen die Skulpturen ebenfalls vom andersSein – oder wie Jörn Klein, einer der jungen Bewohnern und Metallkünstler, es ausdrückt: „Es läuft nicht immer rund – aber es läuft!“
Kunst verbindet – Thomas Puchelt, Einrichtungsleiter, interpretierte das KunstSommer-Projekt so: „Wir werden oft gefragt, wer wir sind? Unsere Antwort: Wir sind wer! Auch oder gerade weil wir anders sind.“ Mechthild Jung, Leiterin der Tagesstruktur, und Heidi Schawalder, Leiterin Ausdrucksmalen, bedankten sich als Projektleiterinnen insbesondere bei den aktiv mitgestaltenden Bewohnern, aber auch bei dem engagierten, unterstützenden Förderverein der Einrichtung. Ein herzliches Dankeschön gab es auch für das Duo „abundzu“ mit Matthias Ebertz, Gitarre, und Natalie Puchelt, Violine, die am Eröffnungstag mit hörenswerten Folkrock zum Verweilen einluden und für Fotograf Christoph Wohlfahrt, der die Bilder der Bewohner in gekonnten, künstlerischen Ausschnitten fotografierte.
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