Immer noch ein Botschafter des Umweltschutzes
Ex-Minister Klaus Töpfer nach 30 Jahren wieder in Burbach zu Gast
Burbach/Holzhausen. Klaus Töpfer einen Revolutionär zu nennen, ging womöglich zu weit. Visionär trifft es vielleicht besser. Der zweite Umweltminister der Bundesrepublik (1987 bis 1994) war maßgeblich an der Einführung des Grünen Punktes sowie am FCKW-Verbot bei Kühlschränken beteiligt. Und auch mit 83 Jahren interessiert sich der ehemalige Spitzenpolitiker der Ära Helmut Kohl und einstiger Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) für Klima, Nachhaltigkeit und den Naturschutz. Dabei sei es „ganz falsch, nur auf CO2 zu schauen“, sagte der in Höxter lebende Diplom-Volkswirt bei seiner Stippvisite in Burbach. Umweltschutz müsse immer im Gleichschritt mit bezahlbaren, technischen Innovationen gedacht werden. Zweimal schon besuchte er die südlichste Gemeinde im Kreis Siegen-Wittgenstein. 1990 und zuletzt 1992 im Rahmen einer Umweltwoche. Damals informierte er sich über das seinerzeit beispielhafte Müllmanagement der Kommune, die schon Abfall trennte, bevor das Duale System eingeführt wurde. 30 Jahre später wandelte er nun auf Einladung des heimischen Bundestagsabgeordneten Volkmar Klein (CDU) auf den Spuren seines letzten Besuchs.
Ehemaliger Spitzenpolitiker von innovationen beeindruckt
Zunächst war der vielfach geehrte und ausgezeichnete Ex-Minister zu Gast bei der HERING Unternehmensgruppe. Dort ließ er sich von Geschäftsführerin Annette Hering das Betriebsgelände zeigen, wie es vor drei Jahrzehnten ihr Vater Hartmut anlässlich des 100-jährigen Firmenbestehens getan hatte. Klaus Töpfer zeigte sich interessiert und begeistert von den nachhaltigen und ressourcenschonenden Innovationen, die das Holzhäuser Familienunternehmen im Bereich Betonbau entwickelt. Ob Textile als Ersatz für korrosionsanfällige Metallverbünde im Beton, energiegewinnende Solarfassaden oder recycelbare Toilettenanlagen – der engagierte Botschafter für den Umweltschutz lobte die Produkt-Philosophie.
Weiteres Lob gab es für die Unternehmenskultur und -strategie; in beidem ist Nachhaltigkeit und Klimaschutz fest implementiert. Bereits 1995 hatte HERING eine Umwelterklärung abgegeben und 2021 einen aktualisierten Nachhaltigkeitsbericht erstellt. Für Klaus Töpfer hat die HERING Gruppe erstmals signifikante Werte von 1995 und 2021 gegenübergestellt. „Wir verbrauchen heute bei wichtigen Baustoffen nur noch ein Drittel von dem, was vor 27 Jahren verbraucht wurde“, beschrieb Annette Hering den Erfolg – und das, obwohl das Unternehmen im gleichen Zeitraum von 388 auf 560 Mitarbeiter gewachsen ist und der Umsatz von 90 Mio. Euro (180 Mio. DM) auf 128 Mio. Euro gesteigert werden konnte. Die gefahrenen Kilometer pro Jahr wurden von 7,85 Mio. km auf 5,28 Mio. km trotz größerer Belegschaft deutlich reduziert. Die Firmenflotte umfasse mittlerweile auch 44 Hybridfahrzeuge, so Annette Hering. Der prominente Gast betonte in diesem Zusammenhang die künftige Bedeutung von Wasserstoff. Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers und Annette Hering als Vorsitzende des Arbeitskreises Burbacher Unternehmen (ABU) berichteten von der Wasserstoff-Potenzialstudie, die man als LEADER-Region 3-Länder-Eck durchgeführt hat und dass die Erkenntnisse daraus bei der regionalen Entwicklung berücksichtigt werden sollen.
"Heimat" hat wieder einen Stellenwert
Von Holzhausen ging es anschließend nach Burbach, wo sich Klaus Töpfer einen Eindruck von der demnächst fertig sanierten Alten Vogtei verschaffte. MdB Volkmar Klein, selbst langjähriger Vorsitzender des Heimatvereins Burbach, der das Projekt gemeinsam mit der Gemeinde Burbach umsetzt, gab enthusiastisch Auskunft über die Maßnahmen und die zukünftige Funktion des historischen Amtshauses. Der Minister a.D. griff den Faden an dieser Stelle auf. „Der Begriff Heimat hat wieder einen besonderen Stellenwert“, stellte Klaus Töpfer fest. Projekte wie die Alte Vogtei seien daher immens wichtig – aber auch große Herausforderung, denn man müsse solche Orte mit Leben füllen. Unabhängig von der sozialen Bedeutung des Vorhabens stellte Klaus Töpfer auch hier den ökologischen Wert des Erhalts alter Gebäude heraus.
Im benachbarten Haus Herbig gönnte sich der noch heute vielgefragte Experte eine nostalgische Zeitreise und blätterte mit Bürgermeister Christoph Ewers im Goldenen Buch zurück zu seinem Eintrag am 11. September 1992. Schwarz-weiß-Fotografien zeigen ihn hier u.a. mit Volkmar Klein und dem ehemaligen Landrat Paul Breuer. Nach einem erneuten Eintrag ins Ehrenbuch der Gemeinde und einer deftigen Brotzeit, die zum gemütlichen Plausch genutzt wurde, verabschiedete sich Klaus Töpfer und fuhr mit Volkmar Klein weiter in die Weißtalhalle nach Siegen, wo er einen Vortrag hielt. Später am Abend trat der einstige Umweltminister die Heimreise an – ganz vorbildlich mit dem Zug.
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