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05.10.2026

Gemeinschaftsschule feiert Festakt zum neuen »Zweitnamen«

GMS trägt nun den Namenszusatz Margot Friedländer Schule.

gb Burbach. Die Gemeinschaftliche Sekundarschule Burbach-Neunkirchen (GMS) trägt einen neuen Namenszusatz. Ab sofort darf sie sich auch Margot Friedländer Schule nennen. Mit einem Festakt hat die Schulgemeinschaft die Erweiterung des Namens in der Aula am Standort Burbach gefeiert und ehrte in respektvoller und angemessener Weise Leben und Wirken der neuen Namensgeberin, die am 9. Mai 2025 im Alter von 103 Jahren in Berlin gestorben war. Im hohen Alter von 88 Jahren kehrte die Holocaust-Überlebende nach Deutschland zurück, um vor allem jungen Menschen ihre Geschichte zu erzählen immer mit dem Ziel, dass sie hinsehen, einander zuhören und sich einander mit Respekt begegnen.

Unter den rund 300 Gästen befanden sich unter anderem der heimische Bundestagsabgeordnete Benedikt Büdenbender, die ehemalige GMS-Schulleiterin Mechthild Ermert-Heinz, der ehemalige Schulleiter der Realschule Ludger Gruß, der Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland e.V., Alon Sander, der Vorsitzende der muslimischen Gemeinde in Neunkirchen, sowie Neunkirchens Bürgermeister Marco Schwunk und Burbachs stellvertretende Bürgermeisterin Heide Heinecke-Henrich, die den im Urlaub weilenden Bürgermeister Jonas Becker vertrat. Nicht wenige unter den Gästen hatten einen Kloß im Hals, als zum Auftakt ein Film der Margot Friedländer Stiftung über ihre Gründerin und deren Geschichte eingespielt wurde. Geprägt von ihren Erlebnissen während der Shoah und ihrer rund einjährigen Internierung im Konzentrationslager Theresienstadt (1944-1945) hat sie nie zugelassen, dass aus ihren schrecklichen Erfahrungen Hass erwuchs. Im Gegenteil: Ihre Antwort auf die menschenverachtenden Gräuel der Nazizeit war stets eine Botschaft der Menschlichkeit. „Ich bin gekommen, um Euch die Hände zu reichen. Ich tue es für euch. Seid Menschen!“, lautete eine ihrer bekanntesten Aussagen, die an diesem Abend mehr als einmal zitiert wurde.

Neben verschiedenen musikalischen Beiträgen der WP-Musik-Kurse („Ukuthula“, „Klezmer Impressionen“), der um einige Schülerinnen und Schüler erweiterten Lehrerband („Imagine“, „Mensch“) und dem umjubelten Rap „Mensch ist Mensch“ von Schülersprecher Ruka Kerellaj (im Original von Moe Phoenix) gab es die eindringliche Ausdruck-Performance „Erfahrung“ des DuG-Kurses der Jahrgangsstufe 7 in Burbach, die Vorführung des Videoprojektes „Demokratie“ der Jahrgangsstufe 6 in Burbach und von Schülerinnen und Schülern der Klasse 10c aus Neunkirchen vorgelesene Auszüge aus Margot Friedländers Biografie „Versuche, dein Leben zu machen“. Kunstlehrerin Elisabeth Gräbener stellte die Kunstprojekte vor, die im Zuge der Namenserweiterung für dieses Schuljahr geplant sind. So soll eine Graphic Novel zur Friedländer-Biografie erarbeitet werden, ein durch die Namensgeberin inspiriertes Buch mit Texten und Bildern von Schülerinnen und Schülern zusammengestellt sowie ein Graffiti-Projekt an beiden Standorten durchgeführt werden.

Eine besondere Videobotschaft erreichte den Festakt aus Berlin. „First Lady“ Elke Büdenbender, aufgewachsen in Netphen-Salchendorf, hat die Patenschaft für den neuen Namenszusatz der GMS übernommen und ließ es sich nicht nehmen, einen Gruß in ihre siegerländische Heimat zu schicken. Sie und ihr Ehemann, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, sind in besonderer Weise mit Margot Friedländer verbunden: Elke Büdenbender ist Vorsitzende der Jury des Margot Friedländer Preises der Margot Friedländer Stiftung, während Frank-Walter Steinmeier die Schirmherrschaft über die Stiftung innehat.

Sichtlich bewegt erklärte Schulleiter Jürgen Weber, Margot Friedländer habe trotz ihrer Erlebnisse in Hitler-Deutschland „nie den Glauben an eine bessere Welt verloren“. Durch ihr Leben sei ihr Name selbst zu einer Art Synonym für Beständigkeit und Widerstandskraft geworden, sie habe nie an der Menschlichkeit gezweifelt. Vor diesem Hintergrund hatte Jürgen Weber zwei persönliche Geschenke für die beiden Standorte „seiner“ Schule dabei: Zwei Ginkgo-Bäume, mit ca. 250-300 Mio. Jahren eine der ältesten Baumarten überhaupt und somit ebenfalls ein Symbol für Beständigkeit und Widerstandskraft. „Die Wurzeln der beiden Bäume werden sich nie berühren, aber sie sollen ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit unserer beiden Schulstandorte sein.“

Bürgermeister Marco Schwunk wusste schon ganz genau, welchen der beiden Bäume (den größeren!) er gerne in Neunkirchen sähe, wie er augenzwinkernd bemerkte. Darüber hinaus stellte der Verwaltungschef deutlich ernster fest: „Die Vergabe eines Namens ist eine durchaus verantwortungsvolle Aufgabe. Daher wurden für die Namenswahl der Gemeinschaftlichen Sekundarschule Burbach-Neunkirchen u.a. alle Bürgerinnen und Bürger unserer beiden Kommunen ins Boot geholt, um ihre Ideen einzubringen.“ Die Jury hatte anschließend insgesamt 43 unterschiedliche Vorschläge zur Auswahl. Es gebe zahlreiche Beispiele von Schulen, deren Namenswahl sich (im Nachhinein) als unglücklich erwiesen hätten, weil die jeweiligen Namensgeber inzwischen als belastet gelten. Umso glücklicher sei er, so Marco Schwunk, „dass die Namensfindung hier bei uns ein gelungenes Ergebnis hatte und die Einrichtung nun den Namen bzw. den Namenszusatz Margot Friedländer Schule trägt“.

Heide Heinecke-Henrich richtete ihre Grußworte direkt an die Schülerinnen und Schüler. Margot Friedländer sei ein Name, „den man nicht einfach auf ein Schild schreibt und dann war’s das“, so Burbachs stellvertretende Bürgermeisterin. Sie beschrieb ihn als Verpflichtung, als persönliche Haltung, die gelebt sein wolle; denn „ohne Euch wäre dieser Name zwar ein Name mit Geschichte und großer Bedeutung, aber ohne Leben und Zukunft“. Friedländers Credo „Seid Menschen!“ klinge einfach, doch in den zwei Wörtern schwinge so viel Inhalt mit. Manchmal heiße Menschsein, den Mund aufzumachen, etwa wenn jemand ausgegrenzt oder gemobbt werde und einen das Gefühl beschleiche, eigentlich müsste ich jetzt etwas sagen. „Dann braucht es Mut. Und vielleicht ist das die wichtigste Botschaft dieses Schulnamens: Ihr müsst nicht perfekt sein. Aber ihr sollt nicht gleichgültig sein.“ Und abschließend: „Seid Menschen. Mehr braucht es manchmal gar nicht. Das wünsche ich Euch und dem gesamten Kollegium, dass ihr es gut hinbekommt. Ich glaube, das ist ein ziemlich guter Auftrag für diese Schule.“

Bevor es zum gemütlichen Teil des Abends überging, löste die Schule ihr Versprechen ein, das sie im Rahmen der Namensfindung gegeben hatte: Wer den späteren Namenszusatz vorschlagen würde, erhalte dafür 250 Euro. Da insgesamt 26 Personen, elf davon mit der für die Preisvergabe erforderliche Begründung, den Namen Margot Friedländer vorgeschlagen hatten, musste das Los entscheiden. Am Ende durfte sich Ulf von der Linde aus Neunkirchen (Großvater der Schülerin Lenie von der Linde) über den symbolischen Check freuen, den seine Tochter und seine Enkelin in Empfang nahmen. Die anderen zehn Ideengeber erhielten eine Tasche mit dem neuen Schullogo, der Margot-Friedländer-Biografie sowie eine Glas Honig aus dem Bienen-Schulprojekt.

Kontakt

Gemeinde Burbach »
Eicher Weg 13
57299 Burbach

Gemeinschaftliche Sekundarschule Burbach-Neunkirchen in Burbach »
Killingstraße 10
57299 Burbach

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