Gemeinde Burbach schließt kommunale Wärmeplanung ab
Zentrales Wärmenetz keine Option
gb Burbach. Nach nicht ganz zwei Jahren ist die kommunale Wärmeplanung der Gemeinde Burbach abgeschlossen. Im Bürgerhaus fand nun der offizielle und öffentliche Schlussakkord statt. Gut 50 interessierte Bürgerinnen und Bürger hörten sich den Ergebnisbericht des Büros „energielenker“ aus Frankfurt an, das den Prozess intensiv begleitet hat, und verfolgten die Podiumsdiskussion mit geladenen Experten, die insbesondere über die Themen Wärmepumpen, Netzausbau und Finanzierung (Förderungen) informierten. Anschließend gab es die Gelegenheit, mit den Fachleuten in den persönlichen Austausch zu kommen. Formal wird der Gemeinderat den Abschlussbericht in seiner kommenden Sitzung am 2. Juli verabschieden. Anschließend wird dieser auf der Homepage der Gemeinde Burbach veröffentlicht.
Das Ergebnis der gesetzlich vorgeschriebenen kommunalen Wärmeplanung fällt in Burbach eindeutig aus: Ein zentrales Fernwärmenetz ist keine Option. „Die Straßen sind voll“, lautet die schlichte aber wesentliche Wahrheit, die Dorina Ludwig von den energielenkern feststellte. Es gebe einfach zu wenig Platz in den Straßen, um ein Fernwärmenetz wirtschaftlich umzusetzen. Auch die Nutzung von Abwärme sei allenfalls punktuell eine Möglichkeit; für Solarenergie ist das Potenzial schon höher. Das bedeute: Burbach sollte und muss auf dezentrale Lösungen setzen. Die Bürgerinnen und Bürger müssten entscheiden, was für sie die individuell beste Lösung sein könnte. Eine rechtliche Verpflichtung, das stellte Dorina Ludwig noch einmal klar, ergebe sich aus der kommunalen Wärmeplanung nicht.
Ganz unmöglich seien Wärmenetze nicht, erläuterte die Fachfrau auf Nachfrage. Wenn es die Gegebenheiten zuließen, könnten auch kleine, ganz lokale Netze verwirklicht werden. So bestehe etwa die Möglichkeit, eine Bürgerenergiegenossenschaft zu gründen; in Nachbarschaften könnte über Gebäudenetze nachgedacht werden. Auch Geothermie (Oberflächengeothermie) könne standortabhängig eine Alternative sein. Die beste Option, die Burbacher Immobilien beim Heizen von den fossilen Energieträgern zu entkoppeln, sei jedoch die Umrüstung auf Wärmepumpen in Verbindung mit einer wirksamen Gebäudedämmung. Darüber hinaus gebe es stetig neue technische Lösungen, über die nachgedacht werden könnte.
Dass die energetische Wende – beim Heizen wie in Sachen Stromversorgung – nicht billig ist, verhehlten die Experten in der anschließenden Podiumsdiskussion nicht. Es gebe aktuell aber weiterhin attraktive Förderprogramme, beispielsweise von KfW. Auch die wenig bekannten KfW-Kredite böten Möglichkeiten, das Eigenheim nach und nach solide finanziert umzurüsten – am besten nach einem klaren Sanierungsplan auf Basis einer unabhängigen Energieberatung. Die Sorge, dass etwa die Stromnetze den durch Photovoltaik erzeugten Strom gar nicht aufnehmen können, konnte Jonas Leyener von Westenergie dem interessierten und rege teilnehmenden Publikum nehmen. Der aktuelle Ausbaustand stelle die Netze vor keine Probleme. Gleichzeitig betonte er, dass die Netze parallel zur Entwicklung ertüchtigt und erweitert würden – auch im Bereich der Speicherkapazitäten –, um die Netze zukunftsfähig zu machen. Im Übrigen dürfe man das deutsche Netz nicht isoliert betrachten; die europäischen Stromnetze seien schon jetzt derart miteinander verbunden, dass sowohl auf Einspeisespitzen als auch auf Wind- und Dunkelflauten im Verbund flexibel reagiert und der jeweilige Bedarf entsprechend verteilt werden könne.
Bürgermeister Jonas Becker erklärte, dass der Weg zur Klimaneutralität bis 2045 eine große gesellschaftliche Herausforderung sei, die jedoch nicht nur mit vermeintlich großen Lösungen zu schaffen sei. „Auch viele kleine Maßnahmen können einen großen Effekt haben“, sagte er. Und „unabhängig gesetzlicher Vorgaben kann jeder für sich überlegen, was sinnvoll für sein Haus, seinen Geldbeutel und für die Umwelt ist“.
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