Frieden ist eine bleibende Aufgabe
Zentrale Gedenkfeier zum Volkstrauertag in Burbach
Burbach. Mehr denn je stand der Volkstrauertag im Zeichen aktueller Ereignisse. Einst als Gedenktag für die Gefallenen im Ersten und später auch für die des Zweiten Weltkrieges angesetzt, hat sich das Vermächtnis und Gedenken derer, die aufgrund von Krieg, Hass und Gewalt ihr Leben verloren, längst erweitert. „Seit den 1960er-Jahren wurde auch der Toten der Mauer gedacht, erst in den 1990er-Jahren auch der Opfer nationalsozialistischer Verbrechen. Ab 2016 wurde den ums Leben gekommenen Einsatzkräften gedacht, seit 2019 den Opfern von Rassismus und Antisemitismus“, zeichnete Bürgermeister Christoph Ewers die Entwicklung des Gedenktages in seiner Ansprache nach. „Es ist gut und auch notwendig, dass der Volkstrauertag heute den Blick weitet. Es ist ein gutes Zeichen unserer christlich geprägten, von den bitteren Erfahrungen der beiden Weltkriege getragenen, zunehmend gewachsenen und demokratisch gefestigten Friedenskultur, die es zu bewahren und zu pflegen gilt.“
Mit diesem „geweiteten Blick“ in die Welt geht dieser Tage allerdings große Besorgnis einher. Bereits 2022 waren die Volkstrauertagreden geprägt vom russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Der Konflikt ist auch ein Jahr später längst nicht beendet. Seit dem 7. Oktober blickt die Welt entsetzt und sorgenvoll nach Israel. Der brutale Terrorangriff der Hamas auf die israelische Zivilbevölkerung und die daraus folgenden militärischen Maßnahmen Israels in Gaza, unter der wiederum auch die palästinensische Bevölkerung leidet, mache besonders betroffen, stellte der Bürgermeister fest, „weil wir als Deutsche und als Christen eine besondere Beziehung zu Israel haben“. Das wahllose Abschlachten der Hamas von mehr als 1.400 Kinder, Frauen und Männer erinnere an den Holocaust von 80 Jahren in Deutschland. „Den Holocaust, der unsere Geschichte geprägt hat und dessen Opfern wir auch beim Volkstrauertag Jahr für Jahr gedenken.“
Die aktuellen Geschehnisse in Israel und der anhaltende Krieg in der Ukraine erinnerten uns daran, wie wichtig es sei „Frieden zu lernen“, folgerte Christoph Ewers. „Frieden ist kein Zustand, der einmal erreicht garantiert erhalten bleibt, wie vielleicht der eine oder andere nach fast 80 Jahren Frieden in Deutschland meinen mag. Frieden versteht sich als eine bleibende Aufgabe. Er ist ein dynamisch-kontinuierlicher Prozess abnehmender Gewalt und zunehmender Gerechtigkeit durch Recht und Dialog. In der christlichen Friedensethik geht es deshalb auch immer um Friedensbefähigung – die damit auch ein unverzichtbarer Bildungsauftrag ist.“
"Der Krieg erreicht unser Zuhause. Nicht nur Bilder aus den Nachrichten und Medien. Auch Handy-Videos und -Bilder von unseren Freunden. Der Krieg ist bei uns in Wahlbach angekommen."
Paster Jochen Wahl
Pfarrer Jochen Wahl, evangelische Kirchengemeinde, berichtete von sehr persönlichen Beziehungen sowohl nach Israel als auch in die Ukraine. Tatsächlich lebt die Tochter des ehemaligen CVJM-Vorsitzenden der Ukraine seit eineinhalb Jahren bei der Familie Wahl in Wahlbach. Über die Partnerschaft des Kreises Siegen-Wittgenstein mit Emek Hefer hatte die Familie noch 2022 Gäste aus Israel aufgenommen. Freundschaften seien damals entstanden. Jetzt habe man Angst um die Freundinnen und Freunde in Israel. „Der Krieg erreicht unser Zuhause. Nicht nur Bilder aus den Nachrichten und Medien. Auch Handy-Videos und -Bilder von unseren Freunden. Der Krieg ist bei uns in Wahlbach angekommen.“ Dadurch habe das Gebet im Hause Wahl eine neue Dimension erhalten – aber ebenso „die Hoffnung auf den Frieden Gottes. Christus ist da!“
Nachdenklich zeigte sich auch Pastor Jonas Klur von der katholischen Kirchengemeinde. In Kleinigkeiten sehe er, wie es auch in Deutschland um Frieden und Toleranz bestellt sei. Er sehe den Juden, der beim Zustieg in die Berliner U-Bahn verstohlen die Kippa vom Kopf zieht. Er erinnere sich an die Anfeindungen, die in Corona-Zeit Andersdenkende zu ertragen hatten. Überhaupt scheine es um die Duldung von Andersartigkeit in Deutschland nicht weither zu sein, wenn man einer Umfrage von September 2022 unter deutschen und britischen Studierenden Glauben schenke. Damals hatte fast die Hälfte der Befragten dafür plädiert, Redner, die von der Mehrheitsmeinung abweichen, nicht zu (Bildungs-) Veranstaltungen einzuladen bzw. bei diesen zuzulassen. Er sehe die Dialogbereitschaft stark gefährdet. „Wir müssen trennen zwischen der Sache und den Menschen.“ Gleichzeitig solle man kritisch hinterfragen, welchen Minderheiten man Gehör schenke. Man dürfe hier niemandem folgen, nur weil dieser am lautesten mit dem Säbel rassele. „Wir müssen vorsichtig sein, wir müssen wach sein.“
An der Gestaltung der Gedenkfeier, zu der die Gemeinde Burbach eingeladen hatte, trugen auch Schülerinnen der Gemeinschaftlichen Sekundarschule Burbach-Neunkirchen mit bewegenden und sehr persönlich formulierten Fürbitten bei. Musikalisch wurde die Gedenkstunde vom Posaunenchor Burbach, dem MGV „Eintracht“ 1862 Burbach sowie durch den Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Wahlbach abgemessen begleitet. Die Kränze am Ehrenmal wurden von Vertretern der Freiwilligen Feuerwehr Burbach sowie von der Reservistenkameradschaft der Bundeswehr in Burbach im Rahmen einer Ehrenwache niedergelegt.
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Volkstrauertag 2023 » 7.6 MB
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