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17.11.2023

Doppelpass zur Integration

„Fit fürs Leben“ e.V. unterstützt „Kinder-Mosaik“

Burbach. Als die deutsche Nationalmannschaft 2014 in Brasilien Weltmeister wurde, hätte man erwarten können, dass die Kinder und Jugendlichen – getragen von der Euphoriewelle um Lahm, Schweini, Super-Mario und Co. – den Fußball-Vereinen die Türen einrennen würden. Doch der temporäre Aufschwung konnte den Grundtrend nur abbremsen, aber nicht stoppen: Wie in allen Vereinen haben auch viele Fußballclubs Nachwuchsprobleme. Vier Burbacher und Neunkirchener Vereine wollten diese Entwicklung nicht einfach hinnehmen. Mit dem Projekt „Fit fürs Leben“ legten der VfB Burbach, der FC Wahlbach, die SG Hickengrund und der FC Freier Grund (damals noch Spvgg. Neunkirchen) ein innovatives Konzept vor, das nicht nur die eigene Zukunftsfähigkeit sichern soll, sondern den jungen Spielerinnen und Spielern zusätzliche Bildungs- und Karrierechancen eröffnen will. Die Idee überzeugte nicht nur intern, sondern auch den LEADER-Regionalverein 3-Länder-Eck, der 2017 europäische Mittel zur Finanzierung zur konkreten Ausgestaltung bereitstellte.

Dank technischer Hilfsmittel und moderner Trainingsmethoden machen die Vereine seitdem die Spielerinnen und Spieler noch fitter für den Ligabetrieb. Abseits des Platzes organisieren sie Nachhilfe-Angebote, helfen bei Bewerbungen, vermitteln Ausbildungsplätze und sogar Jobs in der Region. Das Ziel: Den Kindern und Jugendlichen soll die Chance auf eine berufliche Zukunft bzw. eine Karriere vor der eigenen Haustür geboten werden. Das verhindert Wegzug – und das wiederum ist gut für die Vereine und die Unternehmen in der Region.

Obwohl der FC Freier Grund inzwischen nicht mehr dem gegründeten Verein „Fit fürs Leben“ e.V. angehört und Corona sowie die alltäglichen Herausforderungen, mit denen sich das Ehrenamt im Allgemeinen konfrontiert sieht, den Elan zu Projetbeginn ein wenig ausgebremst haben, sind sich die Initiatoren Olaf Häusig, Stefan Klaas und Andreas König einig, dass ihr „Baby“ eine Erfolgsgeschichte ist. „Wir konnten schon einige Jugendliche in eine Ausbildung und Jobs vermitteln. Außerdem haben wir in den vergangenen sechs Jahren einige junge Trainerinnen und Trainer für unsere Jugendteams dazugewinnen können, die tolle Arbeit machen.“

Mit der erneuten Zunahme der Flüchtlingsbewegungen in den vergangenen Jahren, verstärkt durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, machten sich die Ehrenamtlichen zusätzlich Gedanken, wie sie ihr Betätigungsfeld erweitern und somit bei der Bewältigung der gesellschaftlichen Mammutaufgabe Integration unterstützen könnten. Über die Gemeindeverwaltung Burbach entstand der Kontakt zu Susanne Riderer und dem engagierten Team des Cafés Mosaik (ehemals Sprachcafé) am Burbacher Gassenweg im CVJM-Vereinsheim. „Das Café am Mittwoch wird von den Geflüchteten sehr gut angenommen“, sagt Riderer. An diesen Nachmittagen werden nicht nur Kontakte zwischen ehrenamtlichen Burbachern und Zugereisten gepflegt, die Begegnungen fördern auch die Vernetzung der Flüchtlinge untereinander. Neben einer Gelegenheit, in einem sicheren Rahmen erste Gespräche auf Deutsch zu führen, Erfahrungen und Sorgen auszutauschen erhalten die Geflüchteten auch ganz praktische Hilfe: beim Ausfüllen von Formularen zum Beispiel. Aber: „Die Kinder und Jugendlichen kamen am Mittwoch oft zu kurz. Das wollten wir unbedingt ändern“, erklärt Susanne Riderer. Und so wurde im Dezember 2022 erstmals zum Kinder-Mosaik am Donnerstag eingeladen.

Im Mai dieses Jahres trafen sich schließlich die Wege von „Fit fürs Leben“ und dem Kinder-Mosaik. Die Fußballer unterstützten seither auf zweierlei Weise: Bis zu den Sommerferien griffen sie dem Sprachcafé-„Ableger“ für Kinder und Jugendliche einerseits finanziell unter die Arme; andererseits nutzen sie ihr Netzwerk, um weitere (junge) Nachhilfe-Kräfte zu akquirieren. Darüber hinaus wurde der Kontakt zum Lions Club Neunkirchen-Burbach im Freien Grund hergestellt, der sich bereiterklärte die Finanzierung des Angebots bis Weihnachten zu unterstützen. Wie es danach weitergeht, ist noch unklar. „Schön wäre es, wenn sich Unternehmen, Vereine oder Initiativen fänden, die das Kinder-Mosaik weiter finanziell auf solide Füße stellen – hier wird ganz tolle und wichtige Integrationsarbeit geleistet und Willkommenskultur gelebt“, rühren Olaf Häusig, Stefan Klaas und … … die Werbetrommel für das Angebot. Apropos willkommen: Natürlich freuen sich die Kicker, wenn von den Flüchtlingskindern mal auf dem Trainingsplatz zum Schnuppertraining vorbeischauen – schließlich ist gemeinsam sporteln und spielen der schnellste Weg zu Integration.

Susanne Riderer hofft derweil, dass sich das Nachhilfeteam, das aktuell aus fünf Mädchen und fünf Erwachsenen besteht, künftig noch vergrößert. „Wir wünschen uns, dass sich auch Jungs und Männer engagieren.“ Zwischen 5 und 15 Kinder und Jugendlichen kommen wöchentlich ins Kinder-Mosaik. In vier Räumen sprechen und lesen die Nachhilfekräfte Deutsch mit den Kindern, üben Mathe mit ihnen und helfen bei Hausaufgaben. Jüngeren Kindern wird vorgelesen. „Es macht Spaß mit den Kindern zu lernen und zu sehen, dass die Nachhilfe erfolgreich ist“, sagt Enya Häusig. Die 17-Jährige bereitet sich selbst auf ihren Schulabschluss vor, findet es aber wichtig und bereichernd, in ihrer Freizeit geflüchteten Kindern und Jugendlichen beim Ankommen und Einleben in Deutschland und in Burbach zu helfen.

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