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11.03.2024

200 Gäste beim Jahresempfang der Gemeinde

Ilse Georg erhält Ehrenmedaille in Silber

Niederdresselndorf. Als Bürgermeister komme man dieser Tage nicht umhin, Stellung zu beziehen. Mit dieser These leitete Bürgermeister Christoph Ewers seine Ansprache zum Jahresempfang der Gemeinde in der Hickengrundhalle in Niederdresselndorf ein. Vor rund 200 Gästen, bestehend aus vielen ehrenamtlichen Bürgerinnen und Bürgern, Unterstützern und Mitarbeitende der Verwaltung, ließ er sogleich Taten folgen. Seine Rede war ein Plädoyer für eine Politik der Würde und Wertschätzung, für eine Politik für die Menschen vor Ort, eine Politik für Solidarität und Menschlichkeit in Zeiten, in denen ein signifikanter Rechtsruck in der Gesellschaft droht und in denen in Europa Krieg geführt wird.

Es sei eine Zeit, in der „immer mehr Menschen auf komplexe Fragen einfache Antworten suchen, weil sie sich nicht mitbenommen fühlen von der großen Politik, weil sie sozialen Abstieg befürchten, weil ihnen der tägliche Blick auf die Nachrichten aus aller Welt und auf die vielfältigen Krisen Angst macht vor ihrer Zukunft, Angst macht vor der Zukunft ihrer Kinder und Enkel und die deshalb offensichtlich zunehmend empfänglich sind für scheinbar einfache Lösungen, und die gefährdet sind, den politischen Rattenfängern zu verfallen, die mit starken Worten, großen Gesten und radikalen Maßnahmen eine vermeintlich sichere und bessere Zukunft versprechen“. Christoph Ewers zeigte Verständnis für diese Ängste, kritisierte jedoch auch die „manchmal fast depressive Stimmung hierzulande, die fehlende Wertschätzung unserer immer noch guten Verhältnisse“. Als Vorbild, wie man gegenwärtig Haltung und Hoffnung bewahren könne, nannte der Bürgermeister eine Delegation ukrainischer Forstleute, die er im Rahmen der Grünen Woche in Berlin getroffen hatte und die trotz der schrecklichen Kriegswirren in ihrem Land nicht an der Zerstörung verzweifelten, sondern engagiert und voller Zuversicht den Wiederaufbau planten.

Als eine Art moralische Richtungsbestimmung durch die Turbulenzen der aktuellen Multikrise „borgte“ sich Christoph Ewers einen Satz aus der Rede des Sportjournalisten Marcel Reif anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar im Bundestag aus, den dessen Vater Leon, ein Überlebender des Holocaust, zeitlebens zu sagen pflegte: „Sei a Mensch – sei ein Mensch!“ An dieser Stelle schlug der Bürgermeister den Bogen zur Bedeutung des Ehrenamtes: „Danke dafür, dass Sie genau diese Haltung, diese Hoffnung und diesen Appell ,Sei ein Mensch!‘ durch Ihre ehrenamtliche Tätigkeit und in Ihrem Ehrenamt leben.“

Wie groß das ehrenamtliche Engagement in Burbach nach wie vor ist, dokumentierten die weiteren Programmpunkte der Veranstaltung. In Ihrer Begrüßung erinnerte die 1. stellvertretende Bürgermeisterin, Heide Heinecke-Henrich, an zwei zu Beginn des Jahres verstorbene leidenschaftliche Ehrenamtler. Die Gäste erhoben sich für den Leiter der Feuerwehr Markus Schwarze und den langjährigen 2. stellvertretenden  Bürgermeister Klaus Wittenberg zu einer Schweigeminute. Eine ganz andere Form der Würdigung erfolgte zum Abschluss der Veranstaltung. Den bereits vorher bekannten Gewinnern des Burbacher Heimat-Preises 2023 wurden in diesem festlichen Rahmen ihre Urkunden verliehen. Alina Kossek wurde für ihr Ehrenamtscafé „Natürlich – mehr Leben in Burbach“ mit dem dritten Platz ausgezeichnet (Preisgeld: 1.000 Euro). Tatjana Heinz nahm stellvertretend für den Vorstand des Vereines Wanersch e.V. die Urkunde für den zweiten Platz (1.500 Euro) entgegen. Der Trägerverein hatte im Vorjahr die ehemalige Gaststätte Wanersch in Holzhausen als ehrenamtlich geführten Dorftreffpunkt wiedereröffnet. Auf Platz eins hatten die Mitglieder des beschließenden Ausschusses für Umwelt, Klima und Dorfentwicklung das Graffiti-Projekt des Jugendtreffs Burbach in Trägerschaft des Katholischen Jugendwerkes Förderband an der Bushaltestelle der Gemeinschaftlichen Sekundarschule gewählt (2.500 Euro). Jugendtreffleiterin Marie Düber und fünf Jugendliche freuten sich sichtlich über diesen 1. Platz.

Für ihre jahrzehntelange Ratsmitgliedschaft wurden Achim Sahm (CDU/32 Jahre Ratsmitglied) und Armin Nies (UWGB/39 Jahre) zu Ehrenmitgliedern des Burbacher Gemeinderates ernannt. Christoph Ewers lobte das politische Engagement der beiden und ihre Verdienste um die positive Entwicklung der Gemeinde. Länger als Armin Nies, so betonte der Bürgermeister, habe kein Ratsmitglied nach der kommunalen Neugliederung 1969 im Rat gesessen.

Die ehrenamtlichen Leistungen, die Ilse Georg in verschiedenen Funktionen im TV Dresselndorf sowie als fleißiger und guter Geist in der evangelischen Kirchengemeinde in Niederdresselndorf erbracht hat, füllten bei der Aufzählung ein paar Minuten. Über 40 Jahre ist sie als Übungsleiterin im Turnverein aktiv gewesen, mehr als 30 Jahre davon in der Seniorenarbeit. In der Kirchengemeinde hat sie erst in den vergangenen Jahren als Presbyterin offiziell ein Amt übernommen, vertritt diese außerdem in der Kreissynode. Viel wichtiger aber ist ihr großes Engagement im Hintergrund. „Ilse Georg war und ist immer dort zu finden, wo es Arbeit zu tun gab“, beschrieb der Bürgermeister ihren Einsatz bei Veranstaltungen, bei Fahrten und vielen anderen Aufgaben. Am 12. Dezember 2023 hatte der Rat entschieden, Ilse Georg aufgrund ihrer beachtlichen Verdienste um das Gemeinwohl mit der Ehrenmedaille der Gemeinde Burbach in Silber auszuzeichnen.

Musikalisch bereicherte der MGV 1897 Oberdresselndorf, der 2023 bereits zum achten Mal den Titel Meisterchor verliehen bekam, die Veranstaltung mit zwei Auftritten, bei denen die rund 30 Sänger neben klassischer Chorlektüre auch Billy Joels „And so it goes“ nuanciert und berührend interpretierten. Einen Einblick in die ehrenamtliche Arbeit der Rotkreuzlerinnen und Rotkreuzler im DRK Ortsverein Burbach gab die 1. Vorsitzende Monika Krumm. Hierbei stellte sie die verschiedenen Gruppen vom Jugendrotkreuz (JRK) über die Bereitschaft und den Alterskameraden bis hin zur Frauengruppe vor, die zuletzt mit der Eröffnung des DRK-Ladens „FairKaufen“ ein neues, vielbeachtetes Angebot in der Römer-Passage geschaffen hat. Einen geistigen Impuls hatte zuvor Pfarrer Jens Brakensiek von der evangelischen Kirchengemeinde gegeben. Angesichts der Bedrohung der „Friedensordnung der westlichen Welt“ beschrieb er Jesus Christus als „großen Bruder“, der den Menschen beistehe, und erinnerte an den Paulus-Ausruf „Wenn Gott für uns ist, wer kann dann noch gegen uns sein“, wobei man nicht erwarte könne, dass Gott uns immer vor dem Bösen bewahre, aber man darauf vertrauen dürfe, dass er uns in allem Bösen beistehe.

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