»Wahrheit und Freiheit verteidigen«
„Schon wieder ein Jahr vorbei“. Diesen Satz hörte man etliche Male beim traditionellen Jahresempfang der Gemeinde Burbach. Zahlreiche geladene Gäste von Vereinen, Gruppen und Institutionen aus den neun Dörfern trafen sich in der Hickengrundhalle, um zurückzublicken auf das vergangene Jahr 2016 und um auf das noch frische Jahr 2017 zu schauen. „Vieles hat sich in Burbach in den letzten 12 Monaten bewegt“, resümierte Bürgermeister Christoph Ewers in seiner Ansprache. Doch bevor er auf die konkreten Geschehnisse zwischen Wahlbach und Oberdresselndorf einging, nahm er die weltpolitischen Ereignisse in den Blick.
„Was ist das eigentlich für eine Zeit, was ist das für eine Welt, in der wir leben?“ fragte Ewers mit Blick auf die Ereignisse und Entwicklungen der letzten Monate. Vom Krieg in Syrien über die weltweiten Terroranschläge, die Uneinigkeit in der Europäischen Union bis zum zunehmenden Populismus spannte er den Bogen. Das Erstarken rechter Kräfte in Europa und mit der AfD in Deutschland zeige, dass die liberale Demokratie nach dem zweiten Weltkrieg noch nie so unter Druck wie heute gewesen sei. „Die Welt ist komplizierter geworden, Politik und Medien können sie nicht mehr erklären, viele Menschen kommen beim Tempo der Veränderungen nicht mehr mit“, resümierte Ewers. Er appellierte an die Bürgerinnen und Bürger sich vermehrt einzubringen. „Geschichte geschieht nicht einfach, sie wird gestaltet - von uns allen!“ Besonders wichtig sei das Gespräch und das faire Streiten auch mit Andersdenkenden. „Wir dürfen das Feld nicht den Vereinfachern und den platten Foren der sozialen Medien überlassen!“ Gerade den ehrenamtlich Aktiven in den Dörfern als „Multiplikatoren des Guten“ traue er hier besonders viel zu und zitierte anlässlich des Reformationsjubiläums Martin Luther, der bereits vor 500 Jahren gefordert habe „Die Geister lasset aufeinanderprallen, die Fäuste haltet stille!“ Ewers stellte aber auch dar, dass wir bei allen schlechten Nachrichten das Gute nicht aus dem Blick verlieren und Hoffende bleiben sollten. „Hoffnung ist der zentrale Antrieb zur Gestaltung der Zukunft.“
Beim Rückblick auf das Burbacher Jahr 2016 konstatierte Ewers, dass „das Jahr 2016 für die Gemeinde Burbach finanziell kein einfaches Jahr war.“ Dabei lag es aus seiner Sicht nicht an den Einnahmen, die die Gemeinde generieren konnte und auch nicht an den Ausgaben für unsere unmittelbaren gemeindlichen Aufgaben. Er sah vor allem den Grund in den verschiedenen Umlagen auf Kreis- und Landesebene, die den gemeindlichen Haushalt wesentlich mitbestimmten. „Während das Jahr 2015 noch mit einem deutlichen Jahresüberschuss abschließen konnte, werden der Jahresabschluss 2016 und auch der Jahresabschluss 2017 aller Voraussicht mit einem deutlichen Defizit abschließen. Dennoch können wir aufgrund der Überschüsse der letzten Jahre unsere finanziellen Verpflichtungen und auch unsere umfangreichen Investitionen ohne die Aufnahme von Krediten, also ohne neue Verschuldung meistern.“
Vieles hänge von den Unternehmen in der Gemeinde ab. „Unsere Gewerbesteuereinnahmen als größte Haushaltsposition auf der Einnahmeseite sind nichts anderes, als ein Abbild ihrer Leistungsfähigkeit und Innovationsfähigkeit. Und beides ist nach wie vor groß, dafür bin ich den Unternehmern und ihren Mitarbeitern dankbar. Einer der wichtigsten Schlüssel für eine gute Gemeindeentwicklung ist und bleibt eine stabile Wirtschaft, mit Betrieben, die attraktive Arbeitsplätze bieten und zukunftsweisende Investitionen tätigen. Wir versuchen das zu begleiten - insbesondere durch engen Kontakt zu den Unternehmen, direkt und über den Arbeitskreis Burbacher Unternehmer.“
Weiter spannte Ewers den Bogen der Gemeindeentwicklung von den Investitionen in die Kindergärten und die Schulen über die Investitionen in die kommunale Verkehrs- und Freizeitinfrastruktur wie der Bau der OD Nieder-/Oberdresselndorf und die Sanierung und Modernisierung des Freibades in Burbach bis hin zur Stärkung der Initiative „LebensWERTE Dörfer“. Damit verfolge die Gemeinde und die Burbacher Politik das Grundanliegen, lebendige, lebenswerte und innovative Dörfer zu erhalten, die damit eine entscheidende Basis für die Entwicklung der Gemeinde sind. „Wir werben seit dem vergangenen Jahr noch einmal verstärkt mit einem neuen Erscheinungsbild, mit Bannern, Flyern und im Internet für die Initiative. Das ist gut und wichtig. Entscheidend ist aber letztlich die Mitwirkung möglichst vieler Menschen in den Dörfern. Zahlreiche Maßnahmen und Projekte sind in den letzten Jahren angepackt worden, viele stehen in den Startlöchern. Sie alle, meine Damen und Herren, die sie hier heute sitzen, gehören zu denen, die mit Ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten, Ihrem Engagement wesentliche Träger der Initiative „LebensWERTE Dörfer“ sind“, dankte Ewers den Gästen für ihre Arbeit in und für die Gemeinde. Gleichzeitig rief er auf, noch mehr Menschen zum Mitmachen zu begeistern, so „dass die Initiative noch weiter in die Breite getragen wird. Wir haben bereits ein tolles Engagement, aber ich bin überzeugt, dass wir noch jede Menge mehr an Potenzial haben, das es zu heben gilt.“ Nicht unerwähnt in diesem Zusammenhang ließ Ewers das beispiellose ehrenamtliche Engagement aus der Gemeinde in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge, die zum Sommer aufgegeben wird. „Jetzt kommen auf dem Gebiet der Flüchtlingshilfe neue Herausforderungen auf uns zu. Wir werden Flüchtlinge zugewiesen bekommen, die auch länger bei uns bleiben, die in unseren Dörfern wohnen werden, die es zu integrieren gilt. Hier sind wir alle gefordert und ich bin dankbar beeindruckt, wie viele Menschen und Gruppierungen in den Startlöchern stehen, um zu helfen.“
Ewers berichtete auch über ein sehr großes Projekt, das Fahrt aufgenommen habe. Die Sanierung der „Alten Vogtei“ und der dazugehörigen Zehntscheune und die Weiterentwicklung gemeinsam mit dem Heimatverein Burbach zu einem Besucher-, Informations- und Begegnungszentrum werde immer konkreter. Die Eckwerte seien in einem spannenden Werkstattverfahren mit breiter Beteiligung festgelegt worden. Nun gelte es, die erforderlichen Beschlüsse zu fassen und Fördermittel zu generieren, über die das Projekt mitfinanziert werden soll. Nicht unerwähnt in seiner Ansprache blieb auch die Silbermedaille für Holzhausen im Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. „Die Übereichung der Auszeichnung in Berlin mit einer munter feiernden großen Truppe aus dem Dorf und der anschließende Besuch des Heimatvereinsvorsitzenden und mir bei Bundespräsident Gauck waren ein dankbarer Abschluss und schöne Erlebnisse.“ Mit eindrucksvollen Bildern untermauerte der Bürgermeister seine Ansprache.
Fest zum Programm des Jahrempfangs gehört die Auszeichnung verdienter Persönlichkeiten. In diesem Jahr freute sich Theodor Petera über die entsprechende Urkunde und die Silbermedaille, die verliehen wird. Außerdem wurde das Sola (Sommerlager) Hickengrund analog zu den Ehrungsrichtlinien der Gemeinde ausgezeichnet.
Theodor Petera wurde für sein zahlreiches und langjähriges Engagement in vielfältigen Bereichen geehrt. Zum einen hat er seit 2008 den Vorsitz des 2006 gegründeten Fördervereins Heimhof-Theater inne. Ziel des Vereins war und ist es, das renommierte Theater wieder mit Leben zu füllen und zu einer qualitativ hochwertigen und besonderen kulturellen Spielstätte zu entwickeln. Unter der umtriebigen und engagierten Leitung von Theodor Petera gelang es mit vielfältigen Aktivitäten
200 Mitglieder für den Verein zu gewinnen. „Im Jahre 2007 wurde der Bürgerbusverein Burbach aus der Taufe gehoben. Es ist im Wesentlichen dem persönlichen Einsatz von Theodor Petera zu verdanken, dass der Bürgerbusverein in Burbach ein großer Erfolg ist“, formulierte es Bürgermeister Ewers in seiner Laudatio. „In der Zeit der Gründungsphase hat er mit hoher Tatkraft dazu beigetragen, dass die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen wurden, damit der Liniendienst aufgenommen werden konnte.“ Neben den dargestellten Tätigkeiten als erster Vorsitzender des Fördervereins Heimhoftheater e.V. und des zweiten Vorsitzenden des Bürgerbusvereins Burbach e.V. ist Herr Petera der Vorsitzende des Kuratoriums der DRK-Stiftung „Freier Grund“. Diese Funktion übt Theodor Petera seit mehr als 20 Jahren aus.
Das Sola Hickengrund wird seit mehreren Jahren durch die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (EFG) Hickengrund organisiert und durchgeführt. Gründer des Sola´s Hickengrund sind Eduard Frantz, Nikolai Frantz, Erich Achilles und Viktor Neumann. Jedes Jahr nehmen mehrere Dutzend Kinder am Sola teil. Die Veranstaltung ist überkonfessionell und stellt ein wichtiges Angebot der kirchlichen Jugendarbeit dar. Sola ist ein Zeltlager, die Abkürzung „Sola“ bedeutet Sommerlager. Dieses Sommerlager ist kein normales Zeltlager. Die Zeit am Sola ist gefüllt mit vielen Abenteuern, spannenden Spielen, Liedern und Schlachtrufen, abendlichem Lagerfeuerduft und dem Blick auf einen
klaren Sternenhimmel und vor allem mit viel Spaß und Action. Es werden jährlich ca. 40 Sola´s über ganz Deutschland verstreut durchgeführt und an jedem wird ein Thema nachgespielt und nachgelebt. Das wird besonders durch die zum Thema passende Verkleidung zum Ausdruck gebracht. Zum Beispiel könnte man als Kumpane von Robin Hood die Wälder durchstreifen, als Ritter Turniere ausfechten oder sogar als Wikinger neue Länder erobern! Die erlebten Abenteuer, Action und Spaß während der Zeit am Sola werden mit den Inhalten der Bibel verbunden. Die Verantwortlichen bringen damit die Bibel in die heutige Zeit und erläutern daran, was diese heute zu sagen hat.
Besonders ausgezeichnet wurde der langjährige erste stellvertretende Bürgermeister Rudi Georg. Ihm wurde die Ehrenbezeichnung „Ehrenmitglied des Rates“ verliehen. Rudi Georg hat von 1987 bis Ende Januar 2017 und somit rund 30 Jahre dem Rat, verschiedenen Ausschüssen und als politischer Vertreter der Gemeinde überregionalen Gremien angehört. 1998 wurde ihm zur Würdigung seines Einsatzes zum Wohle der Gemeinde und der Bürgerinnen und Bürger die Silbermedaille und 2013 die Goldmedaille verliehen. Außerdem wurde ihm 2007 für seine langjährige Tätigkeit als Ortsvorsteher von Niederdresselndorf die Ehrennadel der Gemeinde verliehen. Diese Tätigkeit übt er weiterhin aus.
Abgerundet wurde der Jahresempfang durch Beiträge der Vereine. Musikalisch begleiteten der MGV „Germania“ Lützeln und die Musikschule Burbach die Veranstaltung. Außerdem wurde der neue Film des Vereins zur Förderung der natürlichen Lebensgrundlagen zum Klimaschutz vorgestellt. Pastor Klaus Niggemann von der katholischen Kirchengemeinde überbrachte den kirchlichen Segen. Den Ausklang fand der Nachmittag mit guten Gesprächen, Schnittchen und Getränken beim anschließenden Stehempfang, gestaltet vom Heimatverein Niederdresselndorf und unterstützt durch die Tanzgruppe „Rotkäppchen“.
Pressebilder
Jahresempfang 2017 Auszeichnung Georg » 2.2 MB
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Ansprache Bürgermeister Jahresempfang 2017 (PDF, 438 kB)
