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06.04.2026

Verjüngungspfad der Waldgenossenschaft Burbach in der Gambach eröffnet

„Die Natur funktioniert, das wollen wir hier zeigen“

gb Burbach. Die Freude unter den Waldgenossen in Burbach war groß, als die Sieger des Heimat-Preises 2025 im vergangenen Dezember bekannt gegeben wurden. Mit ihrem Konzept zur waldfreundlichen Bejagung hatten sie die Jury, den Ausschuss für Umwelt, Klima und Dorfentwicklung, von ihrem Projekt überzeugen können und wurden auf den zweiten Platz gewählt, der mit einem Preisgeld von 1.500 Euro dotiert war. Hierfür gab es damals auch die Glückwünsche des heimischen Bundestagsabgeordneten Benedikt Büdenbender. Während der Siegerehrung im Rahmen des Jahresempfangs der Gemeinde Burbach verrieten die Waldbesitzer bereits, dass der Verwendungszweck feststehe: Das Geld werde für das Anlegen des Verjüngungspfades im Bereich Gambach eingeplant. Für die Glückwünsche bedankten sich die Waldgenossen bei Benedikt Büdenbender mit einer Einladung zur Eröffnung des Pfades. Gemeinsam mit Bürgermeister Jonas Becker überzeugte er sich nun von dem Ergebnis. Bei der Gelegenheit informierten sich die beiden insbesondere darüber, was es mit dem waldfreundlichen Bejagungskonzept auf sich hat.

Vom Wanderparkplatz Gambach an der L723 aus startete die Gästegruppe auf den rund 1 Kilometer langen Rundwegs. Die Idee des Verjüngungspfades, haben die Waldgenossen dort kurz auf einer Informationstafel umrissen. Wanderer und interessierte Besucherinnen und Besucher werden mit einer simplen Frage konfrontiert: „Warum ist der Wald hier anders?“ Die Antwort folgt in der nächsten Zeile: Wegen der „Umstellung auf waldfreundliche Bejagung“. Was das sei, wollte Benedikt Büdenbender wissen. Im Wesentlichen geht es darum, den Wildbestand auf ein für den Wald verträgliches Maß zu regulieren. Wieviel Reh- und Rotwild waldverträglich ist, zeigt die Natur selbst. Wenn der Wald sich mit vielen verschiedenen Baumarten selbst und ohne Schutzmaßnahmen verjüngt, sind Wildbestand und Wald in Einklang gebracht. Der Zustand des Waldes ist also Maßstab für die Bejagungsintensität. Leben zu viele Tiere in den Waldbeständen, verursachen diese erfahrungsgemäß hohe Verbissschäden an den jungen Bäumen. Vor allem junge Pflanzen haben so kaum die Chance zu wachsen. Dies führt zu einer Entmischung von Pflanzenarten.

Eigentlich ist es sogar gesetzlich vorgeschrieben auf diese Weise „waldverträglich“ zu jagen. Die Population von Reh- und Rotwild ist in den vergangenen Jahren allerdings stark angestiegen und inzwischen deutlich zu hoch, sodass es immer anspruchsvoller geworden ist, dass Jagdpächter den erforderlichen Abschuss in ihren Revieren erfüllen, die sie in der Regel von den Waldbesitzern gepachtet haben. Gleichzeitig bedeuteten Sturm, Dürreperioden und insbesondere die Borkenkäferkalamität einen großen ökologischen und wirtschaftlichen Schaden für die Waldbesitzer. Über 50 Prozent ihrer Fläche, so die Angaben der Burbacher Waldgenossen, seien in den vergangenen Jahren verloren gegangen. Der hohe Wildbestand gefährde die ohnehin herausfordernde Wiederaufforstung. Umso mehr, wenn sich der Wald selbst verjüngen soll. Das war der Anlass für die Waldgenossenschaft Burbach, aktiv zu werden und die Bejagung selbst in die Hand zu nehmen.

Unter der Regie von Initiator Christopher Förster haben die Waldgenossen ein Jagdteam zusammengestellt, die die insgesamt ca. 840 Hektar große Fläche der Waldgenossenschaft Burbach systematisch bejagt. Der Erfolg soll durch den Verjüngungspfad sichtbar gemacht werden. „Die Natur funktioniert, das wollen wir hier zeigen“, erklärte Josef Mitterfellner den politischen Gästen. Im Bereich der Gambach seien keine Pflanzungen vorgenommen worden, die Eiche habe der Eichelhäher aus dem rund 500 Meter entfernten Bestand auf natürlichem Wege auf die Fläche gebracht. Insgesamt seien inzwischen über zwölf Baumarten auf der Fläche zu finden, neben zahlreichen Laubbaumarten zeige sich vereinzelt auch wieder die Fichte. Dank der konsequenten und regelmäßigen Bejagung im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben wüchsen die Bäume hier nachweislich ungestörter. „Wir haben einen Meilenstein gesetzt“, war sich Mitterfellner sicher. Denn: In dieser Intensität könnten Jagdpächter ein Revier kaum bejagen. Dadurch kann auf sämtliche Schutzmaßnahmen wie Einzäunungen, der Einsatz von Chemie oder Wuchshüllen verzichtet werden.

Das Projekt stößt durchaus auf teils vehemente Vorbehalte. Mit dem Verjüngungspfad wollen die Waldgenossen daher aufklären, die Bevölkerung mitnehmen und auch anderen Waldbesitzern und der Jägerschaft demonstrieren, dass die hohen Vorgaben erfüllbar sind. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern als Best-Practice-Beispiel – nachahmen ist ausdrücklich gestattet. „Unsere Jäger sind keine Trophäensammler. Neben dem Ziel, dass sich der Wald selbst regenerieren kann, ist es uns ebenso wichtig, dass wir das Fleisch der erlegten Tiere schnell und fachgerecht verarbeiten. Verschwendung wollen wir aus Respekt vor dem Leben unbedingt vermeiden“, betonte Christopher Förster. Der Tierschutz habe höchste Priorität.

Natürlich verfolgen die Waldgenossen auch ein wirtschaftliches Interesse. „Zertifizierungen wie PEFC und FSC dokumentieren und garantieren die nachhaltige, sozialverträgliche und ökologisch verantwortungsbewusste Waldbewirtschaftung. Dazu gehört auch die Umsetzung der gesetzlichen Bejagungsquoten. Werden diese nicht erfüllt, so kann dies dazu führen, dass das Zertifikat nicht ausgestellt wird, was die Vermarktung des Holzes erheblich beeinträchtigt“, erläuterte Christoph Ewers, Geschäftsführer des Burbacher Forstzweckverbandes. Das Konzept der Waldgenossen Burbach trage somit dazu bei, die hohen Zertifizierungskriterien zu erfüllen.

Die waldfreundliche Bejagung trage wesentlich zur ökologischen Stabilität des Waldes bei, so das Fazit der Waldgenossen. „Durch angepasste Wildbestände kann sich eine vielfältige Naturverjüngung entwickeln, da junge Bäume weniger stark verbissen werden. So entstehen artenreiche Mischwälder, die deutlich widerstandsfähiger gegenüber Klimastress und Störungen sind“, fasst Christopher Förster zusammen. Im Gegensatz zu benachbarten Revieren, in denen oft nur wenige Baumarten nachwüchsen, zeige sich auf den Flächen der Burbacher Waldgenossenschaft eine breite Baumartenvielfalt. „Diese Vielfalt schafft unterschiedliche Lebensräume und Nahrungsangebote, wovon zahlreiche Insekten sowie viele weitere Tierarten profitieren.“ Damit werde deutlich: Waldfreundliche Bejagung fördere nicht nur die Verjüngung des Waldes, sondern stärke die gesamte Biodiversität und die Funktionsfähigkeit des Ökosystems und die Risikostreuung.

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