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10.06.2022

Platz für eine ganze Kolonie

Schwalbentürme in Gilsbach und Lippe errichtet

Gilsbach/Lippe. Vor dem Dorfgemeinschaftshaus herrscht ein stetes Kommen und Gehen. Viele Mieter sind bereits in dem neuen „Wohnturm“ eingezogen. Dass die neuen Quartiere so schnell angenommen werden, ist überraschend. Damit war nicht unbedingt zu rechnen. „Das ist schon sehr ungewöhnlich“, sagt Projektbetreuerin Julia Herling. Die meisten der insgesamt 36 Wohneinheiten sind bereits belegt. „Normalerweise dauert es einige Zeit, manchmal sogar Jahre, bis das Angebot wirklich angenommen wird.“ Doch in Gilsbach meldeten gleich mehrere gefiederte Pärchen schon nach wenigen Tagen ihren Wohnraumbedarf an und richteten sich in über 6 Metern Höhe heimisch ein. Keine Frage: Der Schwalbenturm an der Wilnsdorfer Straße ist ein voller Erfolg.

Nahrungsmangel: 40 Prozent weniger Schwalben in NRW als 1990

Seit drei Jahrzehnten geht der Schwalbenbestand in Deutschland massiv zurück. „In NRW sind es 40 Prozent weniger als 1990“, nennt Julia Herling von der Biologischen Station eine alarmierende Zahl. Die Mehlschwalbe gilt landesweit als gefährdet. Auch im Kreis Siegen-Wittgenstein ist ein drastischer Bestandsrückgang zu verzeichnen, wodurch manche Ortschaften schon schwalbenfrei sind. Die Hauptgründe für diese negative Entwicklung sind der zunehmende Nahrungsmangel, durch den massiven Rückgang von Fluginsekten, der Mangel an Baumaterial für die Nester (Lehm), durch die Verschotterung und Versiegelung von unbefestigten Wegen und Flächen sowie Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen an Gebäuden. „Aus mangelnder Toleranz gegenüber den Schwalben, werden leider auch immer wieder Schwalbennester bewusst abgeschlagen.“ Mit einfachen Maßnahmen, wie das Anbringen von künstlichen Schwalbennestern (bei Bedarf mit Kotbrett), die Anlage von Lehmpfützen – Schwalben verbauen in ihren Nestern rund 1500 kleine Lehmkugeln – sowie eine naturnahe Gestaltung von Freiflächen und Gärten können die „Glücksbringer“ und Sommerboten in ihren Brutgebieten unterstützt werden.

Um den Schwalben darüber hinaus wieder mehr Raum in den Dörfern einzuräumen, hat die Biologische Station jetzt im Rahmen des Drittmittelprojekts „Burbachs artenreiche Nachbarschaft“ in Gilsbach und in Lippe (Kreuzung Daadener Straße) jeweils einen Schwalbenturm aufgestellt. Unterstützt wurde die Maßnahme von der Hering Stiftung Natur und Mensch. Die Flächen wurden von der Gemeinde Burbach bereitgestellt. In beiden Dörfern finden die Schwalben nun 36 künstliche Nester aus Holzbeton „bezugsfertig“ vor. In der Regel ziehen hier Paare ein, um ihre Brut aufzuziehen.

6,5 Meter hoher Stahlmast

Die Bauleitung übernahm Jan-Philipp Nies von Hering Bau GmbH und Co. KG. Die massive Stahlkonstruktion und der rund 6,5 m hohe Stahlmast wurden von der „Stahlbude“ der Firma Herling Tortechnik und Zaunbau GmbH in Siegen-Weidenau gebaut und vor Ort montiert. Die Holzkonstruktion des Schwalbenhauses sowie das Dach fertigte der Dachdeckerbetrieb Claus Jürgen Schmidt in Würgendorf an. In Kürze sollen die Schwalbentürme noch durch eine Informationstafel ergänzt werden. Die Ev. Kindertageseinrichtung Am Kastanienplatz in Gilsbach sowie die DRK-Kindertagesstätte Lippe übernehmen die Patenschaften für die Schwalbennester, was in Gilsbach bereits im Mai mit einem schönen Schwalbenfest gefeiert worden ist. Hierbei wurde jeder Familie ein Schwalbennest zugeteilt.

Über weitere Standorte wird nachgedacht

Solche Türme machen indes nicht in jedem Ort Sinn. „Wir haben bewusst Standorte ausgewählt, in denen es noch Schwalbenkolonien gibt“, sagt Julia Herling. So wie in Gilsbach und Lippe. Zwar lassen in Lippe die gefiederten Mieter noch auf sich warten, aber vielleicht zieht auch hier in ein paar Monaten erstes Leben in die „Bude“, wenn die Schwalben aus ihrem Winterquartier in Afrika zurückkehren. Dann mag den Koloniebrütern ein bezugsfertiges Nest durchaus gelegen kommen. Und vielleicht werden weitere Standorte folgen. Mit Lützeln und Holzhausen hat die Biologische Station Siegen-Wittgenstein zwei weitere Dörfer ins Auge gefasst, in denen Schwalbentürme aufgestellt werden könnten.

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