Hilfsnavigation
Volltextsuche
Mediathek
YekoPhotoStudio  
© YekoPhotoStudio 
Mediathek
Seiteninhalt
15.11.2020

Grußwort von Bürgermeister Christoph Ewers zum Volkstrauertag 2020

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

die öffentlichen Gedenkstunden zum Volkstrauertag mussten in diesem Jahr in unseren Dörfern leider ausfallen. Stille Kranzniederlegungen und Gedenken in den Sonntagsgottesdiensten erinnerten dennoch an die Opfer der beiden Weltkriege, an Verfolgung und an unermessliches Leid, das bis in die heutige Zeit hineinwirkt und mahnten zum Einsatz für den Frieden. Innehalten und kollektive Erinnerung sind und bleiben auch 75 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges wichtig.

Versetzen wir uns in das Jahr 1945. Ende März ziehen die Amerikaner in Burbach ein. In Neunkirchen gibt es noch letzte Kampfhandlungen, in Burbach erfolgt der Einzug friedlich. Auch wenn Deutschland endgültig erst im Mai 1945 kapituliert, ist der Krieg hier mit dem Einzug der Amerikaner vorbei. Endlich. Einerseits eine große Erleichterung für die Bevölkerung. Gleichzeitig herrschen Not, Trauer und Unsicherheit, wie es weiter geht. Wie gehen die Besatzungsmächte mit Deutschland um? Wie kommen Tag für Tag die notwendigen Mahlzeiten auf den Tisch? Wie ist der Tod der Ehemänner, Väter, Brüder und Söhne zu verkraften? Kann man noch auf die Rückkehr von Vermissten hoffen? Wann kommen Kriegsgefangene nach Hause? Wo gibt es Arbeit? Existentielle Fragen, in die wir uns heute nur schwer hineinversetzen können und manche unserer Sorgen relativieren. Praktisch jede Familie in unseren Dörfern hat im engeren oder weiteren Familienkreis Gefallene und Vermisste zu beklagen. Die Jüngsten sind noch keine 20 Jahre alt. Wie viele dies waren, kann man heute noch an den Gedenkstätten für die Gefallenen sehen. Ein Beispiel ist Oberdresselndorf: Das Dorf, das damals ca. 500 Einwohner hatte, musste den Tod von 38 Männern beklagen. Insgesamt fallen bis zu 70 Mio. Menschen dem 2. Weltkrieg zum Opfer.

Heute wissen wir, dass das Ende des 2. Weltkrieges der Beginn einer Entwicklung zu dauerhaftem Frieden, starker Demokratie und Wohlstand in unserem Land war. Wir dürfen dankbar sein, dass wir fast alle Kinder dieser Zeit sind. Gleichzeitig verpflichtet uns diese Entwicklung für unser Handeln in Gegenwart und Zukunft. Daran erinnert uns der jährliche Volkstrauertag. Nur wenn wir uns immer wieder mit der Geschichte, mit den Ursachen von Krieg, Hass und Machtmissbrauch befassen, wenn wir versuchen, ein wenig das Leid nachzuempfinden, bleiben wir aufmerksam. Frieden ist nicht selbstverständlich. Er muss bewusst bewahrt, er muss immer wieder neu erkämpft werden. Nur wenn wir uns alle für ein friedliches Miteinander, für Wahrheit und für Demokratie in unserer Gesellschaft einsetzen, kann Frieden in Deutschland und Europa weiterhin Bestand haben.

Die Pandemiesituation erinnert uns derzeit daran, wie fragil unser Leben ist, wie schnell auf einmal Angst und Sorge auch in Zeiten äußeren Friedens um sich greifen und wie gefährdet der gesellschaftliche Zusammenhalt sein kann. Der Volkstrauertag kann auch hier ein Zeichen sein. Er mahnt uns, von den Menschen in Krieg und Schreckensherrschaft zu lernen, die in der Not solidarisch waren und ihre Talente eingesetzt haben, die vielleicht sogar ihr Leben riskiert haben. Einander zu akzeptieren, zu respektieren und zu vertrauen und sich gegenseitig zu helfen – nichts weniger scheint 75 Jahre nach dem Kriegsende und in Zeiten von Corona notwendig. Lassen Sie uns gemeinsam an einem Klima des friedlichen und solidarischen Miteinanders arbeiten.

Ihr
Christoph Ewers

Kontakt

Gemeinde Burbach »
Pressestelle
Eicher Weg 13
57299 Burbach

Telefon: 02736 45-22
Fax: 02736 45-9922
E-Mail oder Kontaktformular
nach obenSeite drucken