Hilfsnavigation
Volltextsuche
Mediathek
YekoPhotoStudio  
© YekoPhotoStudio 
Mediathek
Seiteninhalt
15.11.2022

Die Erinnerung wird zum Mahnmal der Gegenwart

Zentrale Gedenkfeier zum Volkstrauertag in Burbach

gb Burbach. Obwohl die Sonne erstmals seit vielen Jahren zu diesem Anlass hell vom Himmel strahlte, wurde die zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag auf dem Burbacher Friedhof überschattet. Mit Blick auf den „brutalen Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine“ setzte Bürgermeister Christoph Ewers den Gedenktag in den gegenwärtigen geopolitischen Kontext: „Mit diesem Krieg gewinnt der Volkstrauertag in diesem Jahr eine grausame Aktualität.“ Die Solidarität mit der Ukraine zog sich wie ein roter Faden durch die Ansprachen und Beiträge aller Beteiligten, die insgesamt einen würdigen Rahmen des Erinnerns an alle Opfer der ersten beiden Weltkriege sowie aller folgenden Kriege gestalteten.

Zu Beginn seiner Gedanken stellte Bürgermeister Christoph Ewers einen Rückblick auf das dunkelste Kapitel der Bunderepublik und Burbachs. Mit Verweis auf die neue kultur- und sozialhistorische Dauerausstellung „Gemeinsam Burbach“ in der Alten Vogtei erinnerte er an die damaligen Machtverhältnisse in der Gemeinde. Anhand zweier Exponate würden diese besonders deutlich: „Der Blick auf diesen Reichsadler lässt einen spontan erschauern, wenn man den Raum betritt. Daneben, ganz unscheinbar, ein zweites Exponat:  Ein kleines Schwarzweißfoto eines Papageis.“  Von Lora, wie der Papagei des Apothekers Franz Barth hieß, wird überliefert, er pfefferte „jedem Kunden, der im Laden mit ‚Heil Hitler‘ grüßte, ein ‚Quatschkopf‘ entgegen. Wer dagegen ‚Guten Tag‘ wünschte, dem antwortete der schlaue Vogel mit ‚Guten Tag, ich heiße Lora‘“, zitierte Ewers den Ausstellungstext.

Wachsam bleiben

Die ernsthafte Aufarbeitung jener Tage in Burbach, daraus machte der Bürgermeister Ewers keinen Hehl, habe gerade erst begonnen. Gleichwohl sei die ungleiche Gegenüberstellung von Reichsadler und Papagei im Rahmen der Ausstellung ein wichtiger Appell „auch an uns, wachsam zu bleiben, die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen im Blick zu behalten, früh genug aufzustehen und Widerstand zu leisten und sich in seinem Denken und Handeln, im Kleinen wie im Großen, an den unverbrüchlichen christlichen Werten der unverlierbaren und unantastbaren Menschenwürde und der absoluten Nächstenliebe zu orientieren, die allen Menschen gilt und die es unter keinen Umständen zu relativieren gilt“.

Ukraine-Krieg im Kontext der Vergangenheit

Aus der Geschichte erwachse für die Deutschen eine besondere Verantwortung und Verpflichtung gegenüber den Menschen aus der Urkaine, schlussfolgerte Bürgermeister Ewers weiter: „Es ist kaum im Bewusstsein, dass es die gleichen Orte sind, die 1941 durch Deutschland angegriffen wurden und die jetzt, im Jahr 2022 erneut, diesmal durch Russland, angegriffen werden: Kiew, Charkiw, Odessa und viele andere. Es wird häufig vergessen, dass die Ukraine im Zweiten Weltkrieg einer der Hauptkriegsschauplätze war. Die Menschen, die jetzt zu uns flüchten, sind die Nachfahren derer, die unter dem deutschen nationalsozialistischen Angriffskrieg in besonderer Weise gelitten haben.“ Auch deshalb sei er dankbar für die große Solidarität mit den Flüchtlingen aus der Ukraine, die er in den vergangenen Monaten in Burbach habe erleben dürfen und er bat darum, diese weiterhin zu leben.

"Krieg ist niemals heilig"

Auch Pfarrer Martin Ditthardt von der ev. Kirchengemeinde bezog die Bedeutung des Volkstrauertages auf die aktuelle Situation. Er habe Ukrainerinnen und Ukrainer erlebt, die zutiefst dankbar seien, hier in Deutschland und in Burbach in Sicherheit zu sein. Für Krieg gebe es keine haltbare Rechtfertigung: „Krieg ist niemals heilig. Krieg ist niemals gerecht!“ Von einer angeregten Diskussion mit Jugendlichen über den Sinn und die Notwendigkeit des Volkstrauertages berichtete die kath. Gemeindereferentin des Pastoralen Raums südliches Siegerland, Daniela Bräutigam. Was derzeit in der Ukraine geschehe, zeige mehr als alles andere, dass es einen solchen Gedenktag weiterhin und gerade in der heutigen Zeit brauche. Denn „aus Vergessen folgt Gleichgültigkeit, aus der Gleichgültigkeit Unzufriedenheit, aus der Unzufriedenheit Verzweiflung, aus der Verzweiflung der Fluch“, zitierte sie Dietrich Bonhoeffer.

Würdiger Rahmen des Erinnerns

Die Gedenkfeier wurde musikalisch vom Posaunenchor des CVJM Burbach begleitet. Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftlichen Sekundarschule Burbach-Neunkirchen formulierten ihre Gedanken und Wünsche in anrührenden Fürbitten. Der Spielmannszug umrahmte die Kranzniederlegung der Freiwilligen Feuerwehr Burbach sowie der Burbacher Reservisten. Bürgermeister Christoph bedankte sich bei allen, die sich bei der Gestaltung der Veranstaltung eingebracht und so ein deutliches Zeichen gegen das Vergessen gesetzt haben.

Kontakt

Gemeinde Burbach »
Pressestelle
Eicher Weg 13
57299 Burbach

Telefon: 02736 45-22
Fax: 02736 45-9922
E-Mail oder Kontaktformular
nach obenSeite drucken