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05.03.2018

»Als Untertanen zu Bürgern wurden.«

Gemeinde Burbach lud zum Jahresempfang

„Das Jahr 1918 war ein einschneidendes Datum, ein Jahr, das eine Entwicklung eingeleitet hat, die unser heutiges gesellschaftliches und demokratisches Grundverständnis wesentlich prägt“, stellte Bürgermeister Christoph Ewers in seiner Ansprache fest, die zum Kern des traditionellen Jahresempfangs der Gemeinde Burbach gehört. Den Bezug stellte der Bürgermeister her aus einem Artikel einer großen deutschen Wochenzeitung, die auf ihrer Titelseite ein Bild mit einer zerspringenden Kaiserkrone, der Jahreszahl 1918 und der Titelzeile „Als Untertanen zu Bürgern wurden“ zeigte.

„Es war ein gewaltiger Umbruch – und er ist gerade einmal 100 Jahre her. Nun wissen wir aus der Geschichte, dass dieser Umbruch zur Demokratie unvollkommen war, dass die Weimarer Verfassung nicht stabil sondern anfällig war, weil der Reichspräsident zu mächtig und das Parlament zu schwach war gegenüber den Verführern der NSDAP, die auf der Basis dieser Verfassung, von einem alternden Reichspräsidenten Hindenburg eingesetzt die Machtergreifung vollziehen und die Welt in den zweiten Weltkrieg führen konnte“, so Ewers wörtlich. „Dennoch kann man das Jahr 1918 durchaus als Geburtsstunde unserer heutigen Demokratie verstehen. Alles das, was wir als Menschen, die nun mehr als 70 Jahre in Frieden und stabilen demokratischen Verhältnissen leben, heute so leicht als selbstverständlich ansehen, wurde vor 100 Jahren grundgelegt. Ohne den Mut und die Weitsicht vieler Bürgerinnen und Bürger damals gäbe es auch unsere kommunale Verfasstheit nicht in der heutigen Form, säßen wir vermutlich heute hier nicht, denn ehrenamtliches Engagement ist letztlich ebenfalls Frucht der Demokratie. Ich glaube, es schadet nicht, sich dieses gelegentlich zu vergegenwärtigen“, stellte Ewers fest. Er blendete unsere demokratische Verfasstheit auf, „die vor 100 Jahren 1918 initiiert und dann zunächst in der Weimarer Verfassung grundgelegt, aber dort noch nicht ausreichend gesichert worden ist und die dann vor dem Hintergrund der bitteren Erfahrungen der Nazidiktatur 1949 durch unser bis heute bewährtes Grundgesetz gefestigt worden ist. Das Grundgesetz als solches garantiert das Funktionieren unserer Demokratie allerdings noch nicht. Diese demokratische Verfasstheit muss mit Leben gefüllt werden. Es reicht nicht aus, wählen zu können – die Menschen müssen auch wählen gehen. Es reicht nicht aus, dass im Grundgesetz eine kommunale Selbstverwaltungsgarantie festgeschrieben ist, es müssen sich auch Bürgerinnen und Bürger finden, die diese mit Leben füllen - die z.B. bereit sind im Gemeinderat oder in Ausschüssen Verantwortung zu übernehmen oder in Vereinen, Institutionen und Gruppierungen gestalterisch tätig werden. Demokratie lebt letztlich nicht von noch so schönen Formulierungen in Verfassungen und Gesetzen, sie lebt von der Verantwortung des Einzelnen. Diese Verantwortung ist praktisch die andere Seite der Medaille, auf deren Vorderseite Freiheit steht. Wir wissen es eigentlich alle: Freiheit ohne Verantwortung führt zur grenzenlosem Egoismus und die Gesellschaft letztlich in den Ruin. Und doch verführt unsere Zeit dazu, dass wir uns in den unendlich vielen Konsum- und Ablenkungsmöglichkeiten verlieren. Wer aber nur die Errungenschaften unseres Wohlstandes in vollen Zügen genießen will in der Erwartung, dass ihm der Staat in Vollkaskomentalität alles abnimmt, der gefährdet letztlich Freiheit und Demokratie. Unsere demokratische Verfasstheit ist ein Angebot, das auf Antwort angewiesen ist.“

Der Bürgermeister bedankte sich bei den Anwesenden für ihr großes ehrenamtliches Engagement. Ihr Wirken sei die richtige Antwort auf dieses Angebot und damit sowohl Garant und Beispiel gelebter Demokratie als auch unverzichtbar für die Weiterentwicklung der Gemeinde.

Neben dem Blick auf den 100-jährigen Zeitstrahl gehörte zum Jahresempfang der Blick auf das vergangene Jahr. „Es war ein Jahr der Planung“, machte Ewers deutlich. Das Projekt „Alte Vogtei“ sei weiterentwickelt worden, das Projekt „Alte Mühle“ Lippe sei in Abstimmung mit dem dortigen Heimatverein bis zum Bauantrag gereift und in Planungsfahrt ist auch der Neubau des Schultraktes im Schulzentrum gekommen. Geplant würde ebenfalls, das Landhaus Ilse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Pläne wurden auch für das neue Feuerwehrgerätehaus in Gilsbach geschmiedet. „Auch in unseren Klimaschutzaktivitäten werfen weitere Aktivitäten ihre Schatten voraus. Mit bewährter Unterstützung des Vereins zur Förderung der natürlichen Lebensgrundlagen planen wir das E-Bürgerauto für den Hickengrund und - das ist allerdings ein sehr ehrgeiziges Projekt - ein Nahwärmenetz in Burbach mit energetischer Nutzung durch Holzhackschnitzel“, listete Ewers auf. „Für alle diese Projekte ist es uns gelungen, im vergangenen Jahr mehr als 6 Mio. € Fördermittel aus Düsseldorf, Berlin und Brüssel zu akquirieren.“

Volker Gürke, Vorsitzender des Burbacher Heimatvereins „Alte Vogtei“ beschrieb den Begriff Heimat und wie dieser mit neuem Leben gefüllt werden könne. „Die Heimatvereine haben diesbezüglich eine fundamentale Aufgabe, die mehr ist, als Heimattümelei“, so Gürke in seinem Beitrag. Seitens der Kirche richtete Pfarrer Jochen Wahl einen Gruß an die rund 200 geladenen Gäste. Musikalisch wurde der Nachmittag durch die Chorgemeinschaft MGV „Eintracht“ Burbach und Männerchor der Concordia Chöre Gilsbach unter der Leitung von Chordirektor FDB Ralf Schmidt und der Band „Insideout“ der evangelischen Kirchengemeinde Niederdresselndorf umrahmt. Für das leibliche Wohl zeichnete der Heimatverein „Alte Vogtei“ verantwortlich.

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